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Erst „Weggesperrt“, dann aufgeschlossen …

Im Rahmen eines fächerverbindenden Projektes zum Thema „DDR“ in der Jahrgangsstufe 9 wurde Kerstin Kuzia, Zeitzeugin und heute für die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG) tätig, in die Bertha-von-Suttner-Schule eingeladen.

Das Thema „DDR“ wurde fächerverbindend im Gesellschaftslehreunterricht behandelt, in Kunst vertieft und war auch Gegenstand im Deutschunterricht.

166 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Bertha-von-Suttner Schule lasen im Deutsch-Unterricht „Weggesperrt“, einen bewegenden Tatsachenroman von Grit Poppe.
„Weggesperrt“ beruht weitgehend auf Zeitzeugenberichten und eine der Zeitzeuginnen, Kerstin Kuzia, der das Buch auch gewidmet ist, war im September, einen ganzen Schultag in der Aula der Bertha-von-Suttner-Schule. Sie berichtete den Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften über das, was nicht so weit weg von hier, vor nicht so langer Zeit in der ehemaligen DDR geschehen ist: Weggesperrt hat das Ministerium für Volksbildung der DDR von 1964 – 1989 über 4000 Jugendliche in den „geschlossenen Jugendwerkhof“ Torgau. Das war eine Disziplinierungs-Anstalt, in der die Minderjährigen rund um die Uhr eingesperrt, überwacht, mit Zwangsarbeit, Zwangssport bis zur Erschöpfung, Isolationsarrest und Prügelstrafe brutal gequält worden sind. Erziehung in der DDR diente nicht der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, sondern sie sollte dem DDR-Staat nutzen, und wenn sich jemand widersetzte, sich nicht vollauf unterwerfen wollte, wurde der Widerstand willkürlich und gewaltsam gebrochen, bis er oder sie zu einem „vollwertigen Mitglied der sozialistischen Gesellschaft“ umerzogen war.
Kerstin Kuzia, heute 45, hat das gesamte Jugenderziehungssystem ab dem 6. Lebensjahr bis zur Volljährlichkeit erleiden müssen, war auch den Erziehern im „Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“ vier Monate hilflos ausgeliefert und ist daran fast zerbrochen. Aber sie will keine Rache, sie will mithelfen, dass sich das Leid nicht wiederholt, will sensibilisieren, aufrütteln. Und das gelingt ihr auch bei dieser jungen Zuhörerschaft durch ihren bewegenden Vortrag und ihren mal schonungslosen, mal behutsamen und trotz der beklemmenden Atmosphäre auch humorvollen Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. Sie hat eine Ausstellung mit Info-Tafeln mitgebracht, zeigt einen Film („Schlimmer als der Knast“), erklärt Dokumente, Fotos, beschreibt Zellen, Abläufe und Situationen, unterbricht gern bei Zwischenfragen und lässt die Schüler und Schülerinnen teilhaben an ihrem Schicksal. Natürlich kann man nicht nachfühlen, wenn man – wie Kerstin Kuzia bei ihrer Einweisung – mit hochgestreckten Armen splitternackt bewegungslos vor Aufsehern verharrt, aber die Zuhörer entwickeln nach der Lektüre von „Weggesperrt“ nun durch das Erleben der Zeitzeugin ein besonderes Gespür für die Leiden der damals gleichaltrigen Opfer und für die unfassbare Ungerechtigkeit. Die Betroffenheit ist spürbar, und nicht wenige drücken dies später auch in Einzelgesprächen und Mitteilungen an Kerstin Kuzia über Facebook, die Homepage oder E-Mail aus. Die Resonanz der Schülerschaft wie der Lehrkräfte zeigt, dass es Kerstin Kuzia ergreifend gelungen ist, die Lektüre „Weggesperrt“ anschaulich und nachhaltig mit Wirklichkeit zu füllen. Alle sind tief berührt. Alle sind aber in diesen Stunden auch aufgeschlossener für ihre persönlichen Freiheiten, für unsere Werte, für unser demokratisches Rechtssystem.
Dass dieser Besuch möglich war, ist unter anderem dem Förderverein der Schule zu verdanken und nicht zuletzt den Schülern und Schülerinnen selbst durch finanzielle Beiträge. Sie wollten die Zeitzeugin erleben und sie wurden nicht enttäuscht.


(Sybille Michelsen)
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