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Von Betreibern, Helfern und Möglichmachern

Internetmobbing hat viele Gesichter:
Ein Infoabend in der Bertha-von-Suttner-Schule

Ohne Internet geht gar nichts mehr. Jugendliche nutzen das Netz nicht nur für schulische Zwecke, zum Datenaustausch oder zum Einkaufen, sondern vor allem zur permanenten Kontaktpflege. Dass die vielen Kommunikationsmöglichkeiten jedoch auch missbräuchlich verwendet werden können, gehört inzwischen genauso zur realen Cyberwelt wie die vielen Vorteile, die das weltweite Netz seinen Nutzern bietet. Einer der negativen Auswüchse des allgegenwärtigen Datenkraken ist das Internetmobbing, dem sich zunehmend mehr Jugendliche weitgehend hilflos ausgesetzt sehen. Ein Grund für die Elternakademie der Bertha-von-Suttner-Schule, im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Nutzen und Gefahren der neuen Medien“ zu einem Vortragsabend einzuladen. Eltern, die gleichermaßen besorgt und ratlos zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie nicht wirklich wissen, was ihre Kids im Netz so alles treiben, konnten sich aus berufenem Mund über das Phänomen des Internetmobbing informieren und Fragen stellen, wie man mit den Angriffen aus dem virtuellen Hinterhalt umgeht. Referenten waren Kriminalhauptkommissar Markus Wortmann, im Polizeipräsidium Südosthessen zuständig für Internetprävention, und der Diplom-Sozialarbeiter Frank Seifert, der in seiner Eigenschaft als hauptberuflicher Bewährungshelfer beim Landgericht Hanau fundierte Kenntnisse verschiedenster Konfliktthemen erworben hat. „Mobbing ist in aller Munde, doch vielen Kindern ist nicht klar, worum es eigentlich geht“, so Seifert in seinem Impulsreferat, in dem er zunächst die Gründe, Mechanismen und Merkmale des Mobbing im Internet analysierte. Lust auf Macht, Herrschsucht, die Suche nach Sündenböcken für das eigene Versagen, der Wunsch, erlittenes Unrecht an Schwächere weiterzugeben und fehlende Konfliktlösungsstrategien können Gründe sein, andere im Internet anonym zu diffamieren und bloßzustellen, beschrieb der Referent die Auslöser von Mobbingattacken. Dabei unterschied er zwischen den Betreibern, die als Vorbild dienten und die Standards für das Mobbing setzen, den Helfern, die ihren Vorbildern nacheiferten und schließlich den Möglichmachern, die hilflos zuschauten, sich darüber freuten, nicht selber Opfer zu sein und deren Gefühle zwischen Abscheu, Gleichgültigkeit und Genugtuung schwankten. Dass Jungen direkt und aggressiv mobbten, während Mädchen eher subtil und indirekt vorgingen, war eine weitere Erfahrung, die Seifert in seinem Vortrag beschrieb. Doch die Folgen sind in beiden Fällen fatal: Die Opfer entwickeln nach fortdauernden Mobbingattacken massive psychosomatische Symptome wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall, sie leiden unter Alpträumen und Depressionen. Deshalb sei die Intervention gegen Mobbing auch keine Tagesveranstaltung, sondern ein längerer Prozess, so Seifert abschließend. In einem ebenso informativen wie launig gehaltenen Vortrag thematisierte Kriminalkommissar Wortmann zunächst die Sorglosigkeit, mit der sich nicht nur die Jugendlichen, sondern auch viele Erwachsene im Netz bewegten, Bilder und Daten preisgäben und ständig Spuren hinterließen, die jeder, der es darauf anlegte, allzu leicht nachvollziehen könne. Die fast explosionsartige Entwicklung der Onlinenutzung habe gleichzeitig auch zu einer entsprechenden Zunahme der missbräuchlichen Anwendungen geführt. In der scheinbar anonymen virtuellen Welt fällt es leicht, andere anzugreifen, zu beleidigen, bloßzustellen oder auszugrenzen. Wenn dies absichtlich und systematisch und über einen längeren Zeitraum geschieht, dann liegt Cybermobbing vor, so Markus Wortmann. Was diese Art des Mobbings besonders schlimm macht, ist die Tatsache, dass durch die vielfältige Vernetzung und Zugriffsmöglichkeiten unzählige Personen derartige Aktivitäten nicht nur verfolgen, sondern sich auch aktiv daran beteiligen können, indem sie die Texte des Täters, seine Fotos oder Videos weiter verbreiten. Opfer solcher Diffamierungen und Schmähungen wissen meist nicht, was sie tun sollen und an wen sie sich wenden können. Wortmann empfahl, im Verdachtsfall den „Internetmobber“ zu sperren, Nachrichten zu ignorieren und Beweise wie z. B. Chatinhalte zu sichern, um die virtuellen Heckenschützen gegebenenfalls auch strafrechtlich belangen zu können. Seinen Erfahrungen nach sind betroffene Jugendliche äußerst dankbar, wenn sie sich Erwachsenen anvertrauen können und diese ihnen Hilfestellung bieten, indem sie den Fall in der Schule thematisieren, Schulpsychologen und Sozialarbeiter kontaktieren und bei besonders massiven Attacken auch die Polizei einschalten. Zum Abschluss seines Vortrags nannte der Referent eine Reihe von Internetadressen, bei denen sich Eltern und Jugendliche Rat und Hilfe gegen das virtuelle Mobbing holen können. Außerdem riet er den Eltern, sich zu kümmern, in der Medienkompetenz gleichzuziehen mit ihrem Nachwuchs und schlimmstenfalls den Rechner mit einem entsprechenden Programm abzuschirmen. In der abschließenden Podiumsdiskussion, an der auch Heiko Loos, Jugendbildungsreferent des Main-Kinzig-Kreises teilnahm, offenbarten sich auch kontroverse Positionen hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen der Kontrollmöglichkeiten durch die Eltern. Sonja Jüngling, Elternbeiratsvorsitzende der Bertha-von-Suttner-Schule und maßgebliche Organisatorin des Abends, wies zum Abschluss darauf hin, dass das Thema „Mobbing“ vom Schülerrat der Schule zum Jahresthema erhoben wurde und in der kommenden Zeit allerlei Aktionen geplant seien, das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Schülerschaft zu stärken, wie z. B. eine Menschenkette rings um das gesamte Schulgelände. Sie dankte allen Anwesenden für ihr Kommen und den Referenten für einen gleichermaßen informativen wie unterhaltsamen Abend.

S. Falk, 15.11.12
einaus