KunstLogo006a
berthajung2
logoksh

----------------------------
musik 1

----------------------------
LogoUmweltschule


----------------------------
sorsmcbertha


----------------------------
BVS-Logo


----------------------------
Gemeinsam Wir Logo 1


----------------------------

Lernziel Berufsreife

Suttner-Schüler trainieren für das Leben nach der Abschlussprüfung

„Apfelregler?“ Unentschlossen und etwas ratlos schiebt Dominik die Buchstabenkärtchen auf dem Tisch hin und her. „So was gibt’s nicht“, verwirft sein Freund Basti den Vorschlag, „außerdem haben wir nur ein R, und das T und das N müssen wir auch noch unterbringen.“ Gar nicht so leicht, unter Zeitdruck aus dem Buchstabensalat das richtige Lösungswort zu formen. Ein Tipp von Sozialarbeiter Heiko Loos hilft den Jungs dann doch auf die Sprünge: Ein Beruf mit A soll gefunden werden, und nach kurzem Überlegen wird aus dem „Apfelregler“ ein „Altenpfleger“. Das Spiel, bei dem es auf schnelles Denken, Konzentration und Kooperation in der Gruppe ankommt, ist nur eine von vielen Übungen, mit denen die Mädchen und Jungen der beiden Hauptschul-Abschlussklassen der Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau jeweils drei Vormittage lang den Teamgeist trainieren und unter der Anleitung von Sozialarbeitern und Lehrkräften ihren Einstieg ins Berufsleben vorbereiten. Ort dieser dreitägigen Orientierungsphase zu Schuljahresbeginn ist das Jugendzentrum „Blauhaus“ in Windecken, wo sich die Jugendlichen und ihre Betreuer abseits von Schultrubel, Unterrichtsrhythmus und Pausengong intensiv und fachkundig angeleitet den Fragen widmen können, die sie in den nächsten Monaten beschäftigen werden: Was kann ich? Was will ich? Was sind meine Stärken und Schwächen? Wie formuliere ich mein Bewerbungsschreiben? Was erwartet mich in einem Vorstellungsgespräch? Und da für einen erfolgreichen Berufsstart neben einem vorzeigbaren Schulabschluss soziale Kompetenzen zunehmend wichtig sind, werden die neu zusammen gesetzten Klassen zusätzlich zu den inhaltlichen Aufgabenstellungen mit Übungen konfrontiert, die ihnen Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Verantwortung und Selbstdisziplin abverlangen und die Eigenwahrnehmung schulen. In Kooperation mit der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Nidderau haben Astrid Hess-Reichert und Dirk Friebe, an der Bertha-von-Suttner-Schule verantwortlich für die Schulsozialarbeit, das Projekt ins Leben gerufen und vorbereitet, mitverantwortlich bei Vorbereitung und Durchführung ist auch Heiko Loos vom Jugendbildungswerk des Main-Kinzig-Kreises. Zudem steht die Berufsbera-terin Monika Seggewies vom Hanauer Berufsinformationszentrum BIZ einen Vormittag lang den drängenden Fragen und Vorbehalten der Teenager mit fachkundigem Rat und konkreten Antworten zur Seite. Sie ist auch dabei, wenn die kurzen Videos ausgewertet und besprochen werden, die die Jugendlichen bei ihrer selbst geschriebenen „Rede ans Volk“ zum Thema „Mein Berufswunsch“ zeigen, einem wichtigen Programmteil des dreitägigen Seminars. Textinhalt, Redetempo, Lautstärke, Körpersprache, Mimik - hier erhält jeder die Gelegenheit, seine eigene Performance zu überprüfen. Das führt zu viel Gelächter unter den Jugendlichen, im Nachhinein aber auch zu nachdenklicher Reflexion und der Bereitschaft, an sich zu arbeiten und beim nächsten Mal professioneller aufzutreten. Eher im Hintergrund als Beobachterinnen fungieren die beiden Klassenlehrerinnen. Für Annette Gonschor, die ihre Schülerinnen und Schüler gerade erst kennen lernt, ist es spannend zu sehen, wie die Gruppe sich neu findet, wer Konzessionen macht, wer Konflikte provoziert oder wer sich zum Streitschlichter aufschwingt. Positiv vermerkt hat sie, dass alle in der neuen Klasse sich gerne auf Spiele einlassen. Das bietet ihr einen guten Ansatz, die Übungen zur Selbstwahrnehmung und Stärkung des Selbstvertrauens mit spielerisch verpackten Methoden später im Unterricht wieder aufzunehmen und fortzuführen. Denn so wichtig und wertvoll die drei Tage der Orientierung zu Beginn des letzten Schuljahres für die Neuntklässler der „Bertha“ auch sind, machen sie doch die weitere intensive Betreuung mit Ausbildungs- und Berufswegeplanung in den kommenden Monaten nicht überflüssig. Beladen mit Unterrichtsalltag, Klassenarbeiten, Prüfungsvorbereitung, Bewerbungen, häufig auch drückenden privaten Lasten und nicht zuletzt mit der im Hinterkopf immer drängender werdenden Frage nach dem Leben jenseits der Abschlussprüfung verlieren die Jugendlichen in dem Wust von Aufgaben und Anforderungen leicht den Überblick. Damit sie trotzdem ihren Weg erfolgreich gehen können, sind sie weiterhin auf eine engmaschig vernetzte Unterstützung angewiesen, bei der nicht nur Elternhaus und Klassenleitung gefragt sind, sondern in zunehmendem Maße auch die vor zwei Jahren im Main-Kinzig-Kreis etablierte und seitdem zunehmend erfolgreich agierende Schulsozialarbeit. Mit fast 3000 Einzelfallberatungen, mehr als 400 Konfliktvermittlungen und nahezu dreihundert Klassenprojekten wie dem gerade durchgeführten an der Bertha-von-Suttner-Schule hat sich die Sozialarbeit an Schulen zu einem wichtigen Element der Jugendhilfe vor Ort sowie gut geöltem Scharnier zwischen schulischen und außerschulischen Hilfssystemen entwickelt. Längst nicht mehr auf das „Problemfeld Hauptschule“ reduziert, ist die Schulsozialarbeit mit ihrem breit gefächerten Beratungs- und Unterstützungsangebot erste Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern geworden, wenn es in der Schule oder auch zu Hause nicht mehr rund läuft. „Nicht ohne unsere Sozialarbeiter“, lautet deshalb die Forderung an die kommunalen Entscheidungsträger des Main-Kinzig-Kreises, die Weiterführung des zunächst auf drei Jahre befristeten Projektes „Sozialarbeit an Schulen“ zu gewährleisten. An der Bertha-von-Suttner-Schule herrscht inzwischen Erleichterung darüber, dass die Arbeit des schulischen Jugendhilfeangebotes auch in Zukunft auf die Unterstützung der Stadt Nidderau zählen kann, hat doch Bürgermeister Schultheiß gerade die Zustimmung des Magistrats zur Fortschreibung des Projektes „Sozialarbeit an Schulen im Main-Kinzig-Kreis“ signalisiert.

S. Falk, 29. August 2012
blauhaus1
blauhaus2