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Rauchzeichen gegen die Suchtgefahr

Deutsche Herzstiftung informiert Suttner-Schüler über Folgen des Tabakkonsums

Heller Rauch quillt in den gläsernen Ballon, bildet bizarre Verwirbelungen, strömt durch das Röhrchen in den größeren Glasbehälter, wo er sich wie eine dichte Nebelbank absetzt. Nur wenige „Züge“ mit dem Gummiballon am durchsichtigen Modell des Lungenbläschens reichen aus, bis der Behälter gefüllt ist mit dem gelblichen Qualm des am anderen Ende der Apparatur aufgesteckten Glimmstängels. Fasziniert und angewidert gleichermaßen verfolgen die Siebtklässler das Experiment, mit dem ihnen Michaela Nedela-Morales, federführende Koordinatorin des Aufklärungsprojekts „Rauchzeichen“ der deutschen Herzstiftung, den Weg des Zigarettenrauchs in die Lunge transparent macht. Und natürlich seine verheerende Wirkung: Der zuvor blütenweiße Wattebausch, vor dem Experiment in das „Lungenbläschen“ gelegt, hat eine schmierig-gelbe Farbe angenommen und riecht, wie einer der Schüler angeekelt kommentiert, „zum Abgewöhnen“. Gar nicht erst angewöhnen sollen sich die Mädchen und Jungen des Jahrgangs Sieben die Lust am Nikotin, dafür nehmen sich Michaela Nedela-Morales und Dr. Waltraud Soyka von der Deutschen Herzstiftung zwei Vormittage Zeit, um alle Klassen des Jahrgangs umfassend und sachlich aufzuklären über Inhaltsstoffe, Suchtgefahr, Kosten und besonders natürlich die gesundheitlichen Gefahren, die mit dem Rauchen einhergehen. „Ihr seid laut Statistik im Einstiegsalter“, so Frau Dr. Soyka bei der Vorstellung von Inhalt und Ziel des Aufklärungsprojektes, „keiner soll später sagen, er habe das nicht gewusst.“ In kurzen Filmdokumentationen wird den Jugendlichen an Beispielen von Betroffenen eindrucksvoll nahegebracht, welche Risiken der gewohnheitsmäßige Griff zur Zigarette birgt: Abhängigkeit, Gefäß- und Kreislauferkrankungen, Lungenkrebs, Raucherbein. Nicht wenige der Jungen und Mädchen können auf Nachfrage von solchen Fällen in der Familie berichten, aber auch davon, wie schwer es den großen Geschwistern, Eltern oder Großeltern fällt, mit dem Rauchen wieder aufzuhören und wie hilflos sie selber das macht. „Meine Oma ist am Mittwoch beerdigt worden wegen Lungenkrebs“, berichtet ein Schüler traurig. Weniger auf Abschreckung als auf Information setzen die Dozentinnen der deutschen Herzstiftung, die im Rahmen der Aktion „Rauchzeichen“ Schülerinnen und Schüler auf sachliche Weise über die Reaktionen der Körperorgane auf die Inhaltsstoffe von Tabakrauch aufklärt. „Jeder muss für sich selber die Entscheidung treffen“, appelliert Dr. Waltraud Soyka an die Eigenverantwortung der Jugendlichen. Unter Fachleuten geht man davon aus, dass viele Jugendliche in diesem Alter zwar bereits den ein oder anderen neugierigen Vorstoß in die Welt des Nikotins gewagt, aber noch keine Raucherkarriere begonnen haben und für Aufklärung empfänglich sind. Deshalb muten die Dozentinnen den Mädchen und Jungen auch die abstoßende Wahrheit in Bildern und Zahlen zu, zeigen die rußgeschwärzte Raucherlunge und im animierten Film das sich verengende Blutgefäß. „Jedes Jahr sterben in Deutschland 110.000 Menschen an den Folgen des Rauchens“, fasst Dr. Soyka die erschreckende Bilanz in einer nüchternen Zahl zusammen. Wie viele unterschiedliche Giftstoffe der Zigarettenrauch wohl enthalte, will sie von den Jungen und Mädchen wissen. Die Schätzungen schwanken zwischen 30 und ein paar Hundert. Die wirkliche Zahl löst Erstaunen aus: 4800 Schadstoffe, viele davon krebserregend, hat man inzwischen nachgewiesen. Neben Teer und Nikotin nennt sie wenig appetitliche Begriffe wie Blausäure, Butan, Formaldehyd, Cadmium und Polonium. Was in Rattengift, Mottenpulver, Toilettenreiniger oder Atombomben seine tödliche Wirkung entfaltet, ist auch Bestandteil des täglich vielfach konsumierten Zigarettenrauchs. Und damit sind die Dozentinnen bereits beim nächsten Schwerpunkt ihres Seminars, dem Passivrauchen. Wie viel schädlicher der nebenbei eingeatmete Qualm gegenüber dem direkt inhalierten aus dem glühenden Glimmstängel ist, erklärt die Ärztin auf einleuchtende Weise mit der niedrigeren Temperatur der vor sich hin schwelenden Zigarette, bei der die Schadstoffe nicht verbrennen und bis zu hundertmal mehr gasförmige Giftstoffe in der Umgebung verbreitet werden. Schließlich wird auch die in den letzten Jahren in Mode gekommene Wasserpfeife als vermeintlich gesündere Alternative entzaubert. Wegen der niedrigen Brenntemperatur ist die Giftstoffkonzentration beim Shisha-Rauchen ungleich höher, und weil man kräftig ziehen muss, gelangt der Rauch auch noch bis ins letzte Lungenbläschen. Was die Aufnahme von Gift in den Körper betrifft, so entspricht eine Shisha-Runde zu viert für jeden Einzelnen dem Konsum von rund 25 Zigaretten und führt damit auch ziemlich sicher in die schnelle Nikotinabhängigkeit. Seit sieben Jahren betreibt die Deutsche Herzstiftung die Aktion „Rauchzeichen“ als Präventionsprogramm an Schulen. Ins Leben gerufen wurde die Kampagne von Professor Martin Kaltenbach, dem Ehrenvorsitzenden der Deutschen Herzstiftung, der auch die Schirmherrschaft für die Zusammenarbeit mit den Schulen innehat. Ziel des Aufklärungsprojekts ist es, vom ärztlichen Standpunkt aus die Folgen des Rauchens für jeden einzelnen sowie den Umgang mit sich und der eigenen Gesundheit zu erörtern sowie das Selbstbewusstsein der Jugendlichen und ihre Verantwortung für das eigene Handeln zu entwickeln, damit sie sich gegen das Rauchen entscheiden können. Für die Siebtklässler der Bertha-von-Suttner-Schule organisiert Stufenleiter Thomas Kurz seit vier Jahren die Teilnahme an der Informationsveranstaltung, die bei den Mädchen und Jungen auf positive Resonanz stieß. Anschaulich, überzeugend und kein bisschen langweilig fanden sie die Präsentation, besonders natürlich das Rauchexperiment mit dem gläsernen Lungenbläschen. „Gar nicht erst anfangen“, das ist die einhellige Meinung, der sich auch die Wankelmütigen unter den Mädchen und Jungen anschlossen, nachdem sie zum Abschluss des Vortrags noch einmal eine Prise vom nikotinverseuchten Wattebausch schnuppern durften.

S. Falk, 9. Juni 2013
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