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Mit Teamgeist zum Ziel

Was ich will und was ich kann
Suttner-Schüler absolvieren Bewerbungstraining

„Jan, du musst ein bisschen nach rechts, und du Sarah, halt das Seil höher, sonst reißt du den Turm um!“ Souverän dirigiert Laura ihre Mitschülerinnen und Mitschüler um die kleinen Holzklötzchen herum, die die Gruppe mit Hilfe von mehr oder weniger straff gespannten Seilen zu einem Turm aufstapeln soll. Erschwert wird die Aufgabe dadurch, dass ein Teil der Mitspieler mit verbundenen Augen agiert. Doch der Balanceakt gelingt, der Turm steht in Rekordzeit, und Jugendbildungsreferent Heiko Loos spart nicht mit Lob: „Ich seid wirklich spitze!“ Die Übung, bei der es auf Konzentration und Kooperation in der Gruppe ankommt, ist nur eins von vielen Spielen, mit denen die Mädchen und Jungen der beiden Hauptschul-Abschlussklassen der Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau jeweils drei Vormittage lang den Teamgeist trainieren und sich unter der Anleitung von Sozialarbeitern und Lehrkräften auf den Ernst des Lebens vorbereiten. Abseits von Schultrubel, Unterrichtsrhythmus und Pausengong findet das dreitägige Orientierungsseminar im Jugendzentrum „Blauhaus“ in Windecken statt, wo sich die Jugendlichen und ihre Betreuer intensiv und fachkundig angeleitet den Fragen widmen können, die sie in den nächsten Monaten beschäftigen werden: Was kann ich? Was will ich? Was sind meine Stärken und Schwächen? Wie formuliere ich mein Bewerbungsschreiben? Was erwartet mich in einem Vorstellungsgespräch? Und wie trete ich dort überhaupt auf, um einen guten Eindruck zu machen? Und da für einen erfolgreichen Berufsstart neben einem vorzeigbaren Schulabschluss soziale Kompetenzen zunehmend wichtig sind, werden die neu zusammen gesetzten Klassen zusätzlich zu den inhaltlichen Aufgabenstellungen mit Übungen konfrontiert, die ihnen Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Verantwortung und Selbstdisziplin abverlangen und die Eigenwahrnehmung schulen. In Kooperation mit der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Nidderau haben Astrid Hess-Reichert und Dirk Friebe, an der Bertha-von-Suttner-Schule verantwortlich für die Schulsozialarbeit, das Projekt initiiert, bei Vorbereitung und Durchführung tatkräftig unterstützt von Heiko Loos vom Jugendbildungswerk des Main-Kinzig-Kreises. Zudem steht die Berufsberaterin Monika Seggewies vom Hanauer Berufsinformationszentrum BIZ einen Vormittag lang den drängenden Fragen und Vorbehalten der Teenager mit fachkundigem Rat und konkreten Antworten zur Seite. Sie ist auch dabei, wenn die kurzen Videos ausgewertet und besprochen werden, die die Jugendlichen bei ihrer selbst geschriebenen „Rede ans Volk“ zum Thema „Mein Berufswunsch“ zeigen, einem wichtigen Programmteil des dreitägigen Seminars. Textinhalt, Redetempo, Lautstärke, Körpersprache, Mimik - hier erhält jeder die Gelegenheit, seine eigene Performance zu überprüfen. Das führt zu viel Gelächter unter den Jugendlichen, im Nachhinein aber auch zu nachdenklicher Reflexion und der Bereitschaft, an sich zu arbeiten und sich beim nächsten Mal noch besser vorzubereiten. Eher im Hintergrund als Beobachterinnen fungieren die beiden Klassenlehrerinnen. Für Lena Posselt, die neben Rosemarie Hilfenhaus-Reith eine der neu zusammengestellten Hauptschul-Abschlussklassen übernommen hat, ist es spannend zu sehen, wie die Gruppe sich neu findet, wer Konzessionen macht oder wer die Initiative ergreift und die Regieführung in der Teamübung übernimmt. Positiv fällt ihr bei der Beobachtung der Gruppe auf, dass alle in der neuen Klasse sich gerne auf Spiele einlassen und kooperativ miteinander agieren. Das bietet ihr einen guten Ansatz, die Übungen zur Selbstwahrnehmung und Stärkung des Selbstvertrauens mit spielerisch verpackten Methoden später im Unterricht wieder aufzunehmen und fortzuführen. Denn so wichtig und wertvoll die drei Tage der Orientierung zu Beginn des Abschlussjahres für die Neuntklässler der „Bertha“ auch sind, machen sie doch die weitere intensive Betreuung mit Ausbildungs- und Berufswegeplanung in den kommenden Monaten nicht überflüssig. Beladen mit Unterrichtsalltag, Klassenarbeiten, Prüfungsvorbereitung, Bewerbungen, geplagt von Selbstzweifeln, Ängsten, mitunter auch drückenden privaten Lasten und nicht zuletzt mit der im Hinterkopf immer drängender werdenden Frage nach dem Leben jenseits der Abschlussprüfung verlieren die Jugendlichen in dem Wust von Aufgaben und Anforderungen leicht den Überblick. Damit sie trotzdem ihren Weg erfolgreich gehen können, sind sie weiterhin auf eine engmaschig vernetzte Unterstützung angewiesen, zu der Elternhaus und Schule, Berufsberatung und Schulsozialarbeit jeweils einen wichtigen Teil beitragen.

S. Falk, 26.11.2013
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