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Die Basis für Versöhnung ist Erinnerung

Weltkriegsausstellung in der Bertha-von-Suttner-Schule

„In die Wolken steigen bewaffnete und bemannte Luftschiffe, und aus tausend Meter Höhe schneien verstümmelte Krieger als blutende Flocken herab.“ Als die spätere Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner im Jahre 1888 diese apokalyptische Vorstellung in ihrer Schrift „Das Maschinenzeitalter“ beschrieb, konnte sie nicht ahnen, dass es kaum mehr als ein Vierteljahrhundert dauern würde, bis sich ihre schaurige Vision aufs Schlimmste bewahrheiten würde. Hundert Jahre ist es her, dass der „Große Krieg“ in das Leben der kleinen Leute einbrach, sich Väter, Söhne, Brüder, Ehemänner einverleibte, Familien zerschnitt, Hoffnungen begrub, Lebensentwürfe zerstörte. Anders als in vielen Geschichtsbüchern dargestellt, löste die Generalmobilmachung im August 1914 keineswegs Begeisterung aus, schon gar nicht in den Dörfern und Gemeinden auf dem Land. Der Sommer sei ungewöhnlich schön gewesen, berichten historische Quellen, entsprechend üppig versprach die Ernte auszufallen. Und weil für die Arbeit auf dem Feld und in der Scheuer, in den Obstwiesen und den Gemüsegärten jede Hand gebraucht wurde, hatte niemand Sehnsucht nach den schlammigen Schützengräben im unbekannten und fernen Frankreich oder Belgien. Auch Johann Wilhelm Merz aus dem kleinen Dorf Eichen am Rand der Wetterau wurde nicht gefragt, ob er für Kaiser, Volk und Vaterland seine Haut zu Markte tragen wollte. Der Gastwirtssohn verbrachte vier Jahre als Soldat im Krieg, aus dem er, äußerlich unversehrt, 1918 zurückkehrte. Das Forschungsprojekt „Hessische Landgemeinden im ersten Welkkrieg 1914-1918“ zeigt in einer umfangreichen Ausstellung am Schicksal von Wilhelm Merz und anderen Dorfbewohnern der heutigen Ortsteile von Nidderau, mit welcher Gewalt sich der Krieg hineinfraß in den vormals geordneten Alltag in der Heimat und die Lebenslinien der Menschen verwischte oder ausradierte. Zur Ausstellungseröffnung am 3. Oktober in der Aula der Bertha-von-Suttner-Schule konnte Direktorin Manuela Brademann zahlreiche Ehrengäste begrüßen, allen voran den Schirmherr der Ausstellung, Landrat Erich Pipa, den Schuldezernenten und Kreisbeigeordneten Matthias Zach,  den Landtagsabgeordneten Hugo Klein, den Bundestagsabgeordneten a. D. Bernd Reuter sowie den Kreistagsabgeordneten a. D. Helmut Weider. Aus dem schulischen Bereich wohnten der Ausstellungseröffnung Schulamtsdirektor Ludwig Borowik bei, außerdem Oberstudiendirektorin Karin Rosbach, Schulleiterin des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums, Eberhardt Luft, ehemalige Leiter des Staatlichen Schulamtes des Main-Kinzig-Kreises als Vertreter des VDK und der Schulleiter der Musikschule Nidderau-Schöneck-Niederdorfelden, Michael Winterling. Die Kirche war vertreten durch Claudia Brinkmann-Weiß, Dekanin des Kirchenkreises Hanau sowie Pfarrerin Dr. Fredericke Erichsen-Wendt und Pfarrer Thomas Korfmann von den benachbarten Gemeinden. Für die Stadt Nidderau kamen Frau Monika Sperzel, Erste Stadträtin sowie Jürgen Reuling vom Kulturbeirat und Horst Körzinger von der Bürgerstiftung Nidderau. Besonderen Dank richtete die Schulleiterin schließlich an die Initiatoren und Macher der Ausstellung und des Begleitprogramms:  Prof. Dr. Jürgen Müller, Historiker an der Goethe-Universität in Frankfurt und Projektleiter, Heinrich Pieh, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereines Ostheim sowie den Projektpfarrer des Kirchenkreises Hanau, Otto Löber. Stellvertretend für die Studierenden des historischen Seminars der Goethe-Universität in Frankfurt dankte sie der Diplomandin Katja Alt und schließlich den Geschichtslehrerinnen der Bertha-von-Suttner-Schule, Karin Braun und Stefanie Weudmann, die gemeinsam mit einer Schülergruppe das Ausstellungsprojekt tatkräftig begleitet und unterstützt haben. Ein besonderes Lob erhielten die beiden Schulhausmeister Frank Eisenzehr und Manfred Heckelt, die in vielen Überstunden und mit handwerklichem Sachverstand die rechtzeitige Fertigstellung der Ausstellung gewährleistet hatten. In ihrer Ansprache erinnerte die Schulleiterin an die drei miteinander verknüpften Gedenkanlässe dieses Tages: den Mauerfall vor 25 Jahren, den Kriegsbeginn vor 75 Jahren und den am Ursprung der verheerenden Entwicklungen des 20. Jahrhunderts stehenden Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahr 1914. Dass sich nahezu zeitgleich der Todestag der engagierten Pazifistin Bertha von Suttner,  Friedensnobelpreisträgerin und Namenspatronin der Schule, zum 100. Male jährte, sei ein zusätzlicher Anlass gewesen, dem ambitionierten Ausstellungsprojekt des Ostheimer Heimat- und Geschichtsvereins Unterstützung und Räumlichkeiten anzubieten, so die Schulleiterin. Landrat Erich Pipa ging in seiner Grußrede auf die unrühmliche Rolle seiner Landratskollegen vor hundert Jahren ein. Sie seien allesamt keine Demokraten oder gar Pazifisten gewesen, sondern hätten als „Landräte von Kaisers Gnaden“ ihre Pflicht darin gesehen, dem imperialistischen Herrscher loyal zur Seite zu stehen und im Volk die Kriegsbegeisterung zu schüren. „Unsere Welt spiegelt sich in der Welt vor 100 Jahren“, schlug Claudia Brinkmann-Weiß, Dekanin des Hanauer Kirchenkreises, in ihrer Ansprache den Bogen vom Ausstellungsthema zum aktuellen Weltgeschehen mit seinen verschiedenen Brandherden. Durch die Annäherung an die in der Ausstellung gezeigten Einzelschicksale, die dem Grauen menschliche Gesichter und Namen verliehen, werde dem Betrachter die eigene Verantwortung bewusst. „Die Basis für Versöhnung ist Erinnerung“, so die Theologin, die ihrer Dankbarkeit für die Freundschaft der Völker, die trotz der Ereignisse möglich sei, Ausdruck verlieh. Als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnete  Monika Sperzel vom Magistrat der Stadt Nidderau den 1. Weltkrieg, in dessen Folge die Spaltung Europas und der Welt stand. Die Bertha-von-Suttner-Schule mit ihrer im Namen manifestierten Verbindung zur Friedensnobelpreisträgerin sei deshalb ein denkbar geeigneter Ort für die Ausstellung. Nachdenkliche und kritische Töne schlug Heinrich Pieh vom Heimat- und Geschichtsverein Ostheim an. Obwohl die Ausstellung mit ihrer profunden wissenschaftlichen Aufarbeitung beispielhaft sei und sicher die umfangreichste zu diesem Thema in ganz Hessen, äußerte er Zweifel daran, dass Präsentationen dieser Art Kriegsereignisse verhindern könnten. Er wies darauf hin, dass auch die Kirche Waffenlieferungen befürworte und derzeit erneut Gewalt mit Gewalt beantwortet werde.  Bevor Schülerinnen und Schüler ausgewählte Texte vorlasen, sprach Jürgen Reuling, Vertreter des Nidderauer Kulturbeirates, über 150 Jahre deutsche Einheit. Er erweiterte den Gedenkzeitraum bis in die  Jahre 1864 bis 1871, als mit den deutschen Einigungskriegen nicht nur das Deutsche Reich unter der Führung Preußens entstand, sondern auch die „Erbfeindschaft“ mit Frankreich zementiert wurde. Er begrüßte es ausdrücklich, dass anlässlich der Gedenktage zu den Weltkriegen und dem Mauerfall auch Jugendliche zu Wort kämen. Einen Auszug aus Bertha von Suttners vor hundert Jahren verbotenem Buch „Die Waffen nieder“ las Sina Velten, der Schüler Laser Kes  trug eine Textstelle aus der Pfarreichronik von Eichen-Erbstadt vor, die den Beginn des 1. Weltkriegs kommentierte. Thea Sternheims Tagebuchaufzeichnungen „Über uns das furchtbare Verhängnis“ von 1939 gab Julia Steul eine Stimme, und schließlich las noch Nils Schultheiß aus den Erinnerungen des Journalisten Jens Bertram zum Tag des Mauerfalls. Bevor die Ausstellung offiziell eröffnet wurde, dankte Professor Dr. Jürgen Müller vom Historischen Seminar der Frankfurter Goethe-Universität allen Unterstützern, die mit tatkräftiger Hilfe und dem Überlassen von originalen Objekten und Quellenmaterial zur Verwirklichung des Projektes beigetragen hatten. Was die Ausstellung bei ihren Besuchern vor allem erreichen will, fasste Dr. Müller in seinen Schlussworten zusammen: „Geschichte ist vergegenwärtigte Vergangenheit. Sie entsteht erst, wenn wir uns mit ihr beschäftigen und Fragen an sie stellen.“

Parallel zur Ausstellung, die der Ostheimer Heimat- und Geschichtsverein unter der Leitung von Professor Dr. Müller und mit Unterstützung des Zentrums für Regionalgeschichte, des Kirchenkreises Hanau-Land, der Bildungspartner Main-Kinzig-GmbH und der Bertha-von-Suttner-Schule nach mehr als einjähriger Vorbereitungszeit der Öffentlichkeit präsentiert, gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm mit musikalischen Lesungen, Erzählcafés mit Zeitzeugen, öffentlichen Symposien und einem Abschlusskonzert am 15. November, bei dem der Ostheimer Kammerchor „Cantemus“ die Friedensmesse von Karl Jenkins in der Heldenbergener Kultur- und Sporthalle aufführt. Die Öffnungszeiten und das Begleitprogramm sind im Internet zu finden unter www.landgemeinden-im-weltkrieg.de

S. Falk, im Oktober 2014


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