KunstLogo006
berthajung2
logoksh

----------------------------
musik 1

----------------------------
LogoUmweltschule


----------------------------
sorsmcbertha


----------------------------
BVS-Logo


----------------------------
Gemeinsam Wir Logo 1


----------------------------

Wir sind dann mal weg - aber warum, wie und wohin?


Es ist ein tägliches Thema: 250.000 Flüchtlinge werden dieses Jahr hierzulande erwartet, und die heftige Diskussion spaltet - durchaus nicht nur gewaltfrei - zwischen Abschottung und Willkommen. Auch Kinder sind damit konfrontiert, auch solche, die selbst hier Asyl gefunden haben und auch solche, die sich schlimmste Lebensumstände und Flucht gar nicht vorstellen können.

Um den Blick zu öffnen, haben sich die 5a und die 5e der Bertha-von-Suttner-Schule  in Nidderau mit Menschenrechten befasst und dabei besonders die Ursachen für Flucht beleuchtet. Dafür konnten zwei kompetente Referenten gewonnen werden, nämlich zunächst Anfang März Herr Yousif Toma, 72, Diplom-Ingenieur, der aus dem Irak stammt, lange in Deutschland lebt und in über 60 Ländern für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ, vorher GTZ) Entwicklungs-hilfe geleistet hat.

 Herr Toma ist im kurdischen Teil des Irak mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Sein Vater war Polizist, seine Mutter hat für andere Leute gewaschen, und die Kinder haben Obst verkauft. Später konnte er durch Lese- und Schreibhilfen für Analphabeten zum Familienunterhalt beitragen.

Noch vor Armut ist jedoch Krieg die herausragende tägliche körperliche Bedrohung und psychische Belastung der Menschen. Schlechte hygienische Zustände führen häufig zu schlimmster Krankheit, für die es oft keine ärztliche Behandlung gibt.

Herr Toma hat sich auf die Entwicklungsländer, insbesondere auf den Nahen Osten bezogen und hat das Thema Kinderarbeit sehr anschaulich vermittelt. Weltweit müssen 150 Millionen Kinder  mitarbeiten, damit die Familie überleben kann. Kinder sind besonders auf dem Land wie bares Geld, denn sie tragen zum täglichen Familieneinkommen bei und garantieren die Versorgung im Alter. Als ideal gelten dabei möglichst viele Söhne, weil diese nicht, wie Mädchen, nach Heirat solche Aufgaben in einer anderen Familie übernehmen müssen, sondern viele Söhne durch Heirat entsprechend viele Frauen als zusätzliche Helferinnen ins eigene Elternhaus holen.

Für Schule - in den Städten haben immerhin fast 80% regelmäßig Unterricht - ist wenig Zeit und wenig Kraft, und das sture Auswendiglernen des Stoffes hemmt die Entwicklung der Kinder, kritische Auseinandersetzungen finden nicht statt. Auch die Förderung des selbstständigen Denkens und der Persönlichkeitsbildung, wie wir sie kennen, kann jedenfalls in vielen Entwicklungsländern auch nicht annähernd die Rede sein.
 
Zwischen den Anhängern der verschiedenen Ausprägungen der muslimischen Religion einerseits und zwischen ihnen und den Christen gab es in der Jugend von Herrn Toma ein gutes und friedliches Miteinander. Dies hat sich leider tiefgreifend geändert. Muslime unterschiedlicher Glaubensrichtungen bekämpfen sich und ein Ende des daraus entstandenen Bürgerkriegs in Syrien, Libyen, Irak und auch seit kurzem auch im Jemen ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Das Leiden der Menschen wächst ständig.

Diese an sich schon schwer erträglichen Lebensumstände werden durch eine Atmosphäre von Angst noch verschlimmert. Im Irak musste beispielsweise in jeder Wohnung ein Foto von Saddam Hussein hängen, das zum Flüstern führte und jede kritische Äußerung verbot, weil man dem Bild "Ohren" zuschrieb und sich permanent bedroht fühlte.
 
Krieg, Terror, Armut ohne Rechte, ohne Bildung, ohne Meinungsfreiheit, Willkür, Unterdrückung, keine Aussicht auf Besserung - und das sogar häufig alles zusammen - zwingt die Eltern in ihrer Verantwortung für die Kinder und zu deren Wohlergehen, jede Möglichkeit zu nutzen, die zu einem akzeptablen menschenrechts - würdigen Dasein beitragen könnte. Also Flucht nach vorn, aber wo ist vorn? Erstmal nur weg, in Sicherheit. Leider gehen schon Vorbereitungen schief, es gibt Verhaftungen, noch mehr Leid, Todesfälle auf der Flucht, Kinder auf sich gestellt, Kinderhandel, ...

Der Libanon hat - bei vier Millionen Einwohnern - eine Million Flüchtlinge aufgenommen!
Manche schaffen es hierher. Endlich in Deutschland, reich, gerecht, sozial...

Herrn Toma ist es vortrefflich gelungen, die Schülerinnen und Schüler mitzunehmen auf diese Reise durch sein Leben und durch die vielfältigen schlimmsten Entbehrungen, denen die
Flüchtlinge in ihrer Heimat, unterwegs und mancherorts sogar noch hier hilflos ausgesetzt sind. Die junge Zuhörerschaft ist dem Vortrag sehr nachdenklich gefolgt und hat sich an dem Gespräch mit Herrn Toma offen und lebhaft und wissbegierig beteiligt. Herr Toma selbst hat die Kinder bei den Lehrerinnen, Frau Michelsen und Frau Schönafinger, gelobt; sie hätten ihn in seiner optimistischen Haltung hinsichtlich der Zukunft Deutschlands ("Wir hatten ja Zukunftsgestalter vor uns!")
bestärkt. Es ist großartig, dass es Leute wie ihn gibt, die - noch dazu
ohne Honorar - ihre Erlebnisse so anschaulich und nachhaltig in Schulklassen vermitteln.

Ein solcher Mensch ist auch  Herr Yao, der die beiden Klassen nur eine Woche später in den Bann zog. Herr Yao - Regisseur, Märchenerzähler, Schauspieler - ist seit drei Jahren in Deutschland. Er hatte mehrere ungewöhnliche Musikinstrumente dabei. Besonders faszinierend waren eine Achseltrommel und eine Art Gitarre mit Korpus aus einem Kürbis. Viel Spaß hatten die Kinder durch Mitmach-Spiele, die, wie die Musik, in ein afrikanisches Märchen eingebettet waren. Im Mittelpunkt stand ein dunkelhäutiger Junge, der im Traum in eine weiße Familie gezaubert wird und dort erkennt, dass Menschen unabhängig von der Hautfarbe gleich sind.   Natürlich hat Herr Yao auch über sein Land und die Lebensumstände erzählt. Beeindruckt waren alle, dass in Burkina Faso 60 Sprachen gesprochen werden. Herr Yao selbst spricht drei Sprachen und die Amtssprache Französisch. Die Sprache dient nicht nur der Verständigung sondern unterstreicht beispielsweise sogar die Rolle der Geschlechter, wenn nämlich Männer sich stark wie ein Stier gebärden, Frauen dagegen unterwürfig und piepsig sprechen.    Die Kinder hätten gern noch mehr gehört  von Herrn Toma ebenso wie von Herrn Yao und alle waren froh, dass beide noch zur Mittagspause geblieben sind und dass sogar ganz spontan noch etwas Zeit vom Nachmittagsunterricht abgezweigt werden konnte, um weitere Fragen zu beantworten und ein weiteres Spiel zu spielen.   Als Dankeschön an die Referenten haben die Klassen für beide ein Büchlein zu Menschenrechten und Kinderrechten erstellt.
schulengel10
Kaufen Sie online über diesen Link ein und unterstützen Sie damit unseren Förderverein.
Ihr Einkauf wird dabei nicht teurer.
----------------------------
wirsinddannmalweg
wirsinddannmalweg2
wirsinddannmalweg3
wirsinddannmalweg4