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Alles Böse kam vom Westen

DDR-Zeitzeuge zu Gast in der Bertha-von-Suttner-Schule

Wie kommt man dazu, seine Heimat zu verlassen? Mit dieser Leitfrage spannte Hartmut Richter, Stasi-Opfer und DDR-Zeitzeuge, vor den gebannt lauschenden Zehntklässlern der Bertha-von-Suttner-Schule einen roten Faden von den aktuellen Flüchtlingsdramen vor den Toren Europas zu seiner eigenen Geschichte. Richter, Jahrgang 1948 und als Dreizehnjähriger vom „Dichtmachen“ der Grenze überrascht, war zunächst stolz darauf, mit den anderen „Jungen Pionieren“ den ersten Arbeiter- und Bauernstaat mit aufzubauen. Die DDR als das bessere Deutschland wurde nicht infrage gestellt, auch die Erziehung zur Denunziation, in denen in Wochenendseminaren bereits Drittklässler auf das System eingeschworen wurden, als notwendig akzeptiert. Dass alles Böse vom Westen kam, hatten alle längst verinnerlicht. Zweifel kamen dem Heranwachsenden, als er wegen kritischer Fragen aus dem Unterricht flog und ihm eines Tages sogar die „westlich dekadente“ Haarpracht, die er nach dem Vorbild der Beatles hatte wachsen lassen, behördlicherseits gewaltsam gekappt wurde. Spätestens nach diesem Willkürakt war ihm klar, dass er mit seiner Weltsicht in der DDR nicht bleiben konnte und wollte. Nach einem ersten misslungenen Fluchtversuch über Prag durchschwamm der 18jährige eines Nachts den mit Alarmdrähten, Beleuchtung und Hundeführern gesicherten Teltowkanal und erreichte nach vierstündiger Nerven zerreißender Flucht westdeutschen Boden.  In der Folgezeit schmuggelte Hartmut Richter im umgebauten Kofferraum seines Autos andere Ausreisewillige von Ost- nach West-Berlin, bis er erwischt und zu fünfzehn Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt wurde. Der nette Mithäftling, den er dort kennen lernte, erwies sich später als Stasi-Spitzel, der den Republikflüchtling und Fluchthelfer nach ihrer beider Freikauf durch den Westen umbringen sollte. Es sind solche Geschichten, mit denen Hartmut Richter als Zeitzeuge vor Jugendlichen auftritt, um gegen die Verklärung der DDR anzugehen. Und auch, weil er persönlich enttäuscht darüber ist, dass nach der Wende die Verantwortlichen dieses von einem menschenverachtenden Geist getragenen Systems nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Von der Geschichtslehrerin Karin Braun organisiert, vermittelte der knapp eineinhalbstündige Lebensbericht den Schülerinnen und Schülern der Bertha-von-Suttner-Schule ein Stück Zeitgeschichte aus erster Hand, lebendiger als jedes Lehrbuch es jemals könnte.

S. Falk, 5. Mai 2015
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