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Kunst baut Erinnerungsbrücken

Beim Malen und Modellieren finden Schüler und Senioren zueinander

Mit leuchtenden Augen schaut die alte Dame auf die bunten Quader aus Modelliermasse, die auf dem weißen Tischtuch ausgebreitet sind. Neben ihr sitzt die zwölfjährige Ana; behutsam legt sie der Seniorin einen der weichen Klötze in die Handfläche und drückt ihre Finger sanft in das schmiegsame Material; die alten Hände vertrauen sich den jungen an, lassen sich bereitwillig führen von Anas kundigen Bewegungen; vierhändig kneten, formen und modellieren die beiden, bis aus dem farbigen Klumpen eine gelbe Blüte entstanden ist, die sie stolz präsentieren. Für die alte Dame ist dieser Moment ein kostbares und immer selteneres Glückserlebnis, denn sie ist dement. Seit mehreren Wochen schon besucht Ana regelmäßig am Freitagnachmittag das Tageszentrum der Alzheimer Gesellschaft auf der Burg Wonnecken, um gemeinsam mit den Bewohnern zu malen, zu basteln und zu modellieren. Begleitet wird sie von Nick, Nils,  Robin, Maria, Roxana, Joline und Dana. Die Jugendlichen kommen aus  der Klasse 7e der Bertha-von-Suttner-Schule und haben sich freiwillig für das Projekt „Erinnerungsbrücken“ gemeldet, das ihre Klassenlehrerin Sybille Michelsen gemeinsam mit Ursula König, der Leiterin des Tageszentrums, ins Leben gerufen hat. Nachdem die Idee auf Anregung der Mutter eines Schülers der Klasse geboren war, besuchte Frau König die Kinder in der Schule, um sie auf die Begegnung mit den Demenzpatienten vorzubereiten. Auf die Mädchen und Jungen, die in ihrer Schwerpunktklasse Kunst den Umgang mit kreativen Werkstoffen gewohnheitsmäßig praktizieren, kam mit dem Projekt eine ganz neue Herausforderung zu. Denn beim gemeinsamen Schaffensprozess mit Alzheimerkranken gilt es nicht nur, das Interesse der Alten am handwerklichen Arbeiten zu wecken, sondern sie auch, mit Rücksicht auf körperliche und geistige Einschränkungen, behutsam zum Mitmachen zu animieren. Und das gelingt erstaunlich gut. Nach einem vorbereitenden Treffen im Kunstraum der Schule, in dem der Arbeitsplan für den kommenden Nachmittag festgelegt wird, laufen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin zur Burg, um dort eine knappe Stunde lang die schöpferischen Kräfte der Seniorinnen und Senioren wachzurufen, gemeinsam mit ihnen aus Farbe und Papier, Draht und Modelliermasse kleine Kunstwerke zu schaffen, dabei mit den Tagesgästen ins Gespräch zu kommen und bunte Tupfer in ihren Alltag zu setzen. Auf der Burg werden sie an diesen Tagen schon sehnsüchtig erwartet. Die alten Leute freuen sich besonders darüber, dass die Kinder sich soviel Zeit für sie nehmen und mit Geduld und Freude bei der Sache sind. Es haben sich sogar schon freundschaftliche Beziehungen gebildet, so möchte eine der alten Damen am liebsten dann mitarbeiten, wenn Nils dabei ist. Und auch die Kinder haben Freude an ihrer neuen Aufgabe. Ana wollte mitmachen, weil sie Kunst in jeder Form liebt. Und sie findet es wichtig, dass junge Leute mit alten und kranken Menschen zu tun haben. „Über die Kunst geht das einfacher“, bringt sie ihre bisherigen Erfahrungen auf den Punkt. Und Nick möchte „Menschen in meinem Alter sagen, dass es Leute mit dieser Krankheit gibt und dass es da kein Zurück gibt; man muss ihnen helfen und respektvoll mit ihnen umgehen.“ Wegen seines Erfolgs soll das Projekt, das zunächst nur auf ein halbes Jahr ausgelegt war, bis zum Sommer weitergeführt werden. Möglicherweise wird es dann auch eine kleine Ausstellung geben, in der die Bilder und Objekte präsentiert werden. Und auch wenn es nicht dazu kommt, können die „Erinnerungsbrücken“ als ein Projekt bezeichnet werden, von dem alle Beteiligten auf vielfältige Weise profitieren: Die Demenzkranken, die für Augenblicke des Glücks und der Aktivität ihr inneres Exil verlassen; die Jugendlichen, die in eine alternde Gesellschaft hineinwachsen und Empathie für demenzkranke Mitmenschen entwickeln, und nicht zuletzt Angehörige und Pflegekräfte, die in ihrem oft sehr belastenden Alltag Momente der Erleichterung finden.

S. Falk, 7. Februar 2017
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